An diesem Wochenende (21./22. August) wurde die Hessische U16 Mannschaftsmeisterschaft in Bad Hersfeld ausgetragen.
Die Anfahrt gestaltete sich bereits schwierig. Als uns das Navigationssystem knapp an Bad Hersfeld vorbeinavigierte schwante uns bereits, dass hier etwas nicht stimmen könnte. Am vermeintlichen Zielort, dem 100-Seelen-Dorf Gerterode, trafen wir dann immerhin den ebenso ratlosen Turnierleiter Stephan Michel an der ausgeschriebenen Hainstraße. Des Rätsels Lösung ergab sich nach einigen Telefonaten: Es gibt zwei Hainstraßen mit derselben Postleitzahl… So ging es zurück ins Zentrum nach Bad Hersfeld und das Turnier startete mit leichter Verzögerung.
Als wir erfuhren, welche Mannschaften teilnehmen würden, gab es eine negative und eine positive Meldung. Die negative zuerst: Statt 6 Teams würden nur 5 teilnehmen, da Fulda am Vorabend kurzfristig abgesagt hatte. Das bedeutete für jede Mannschaft eine spielfreie Runde, also eine zusätzliche erzwungene Pause von ca. 3 Stunden. Dafür positiv: Der absolute Topfavorit Ladja Rossdorf hat keine Mannschaft auf die Beine stellen können. Unsere zuvor kleine Chance, den Hessenmeistertitel nach Frankfurt zu holen, wurde nun tatsächlich zum realistischen Ziel.
In Runde 1 ging es gegen das vermeintlich schwächste Team aus Oberursel, was uns einen relativ lockeren 4:0 Auftaktsieg bescherte. In Runde 2 stand der Gastgeber aus Bad Hersfeld auf dem Programm. Hier wurden nun die ersten engeren Partien gespielt und durch Arsens Turmeinsteller am 4. Brett gaben wir auch den ersten Punkt ab. Doch alles halb so schlimm, wir hatten dennoch relativ souverän 3:1 gewonnen! Am Ende des Tages ging es gegen die Mannschaft aus Kassel, die zumindest an Brett 1 favorisiert war. Michael musste hier letztendlich auch die Waffen strecken – doch dieses Mal gewannen die anderen drei. Erneut 3:1 für uns. Somit war klar, dass der 1. Platz am Sonntag nach einer spielfreien Runde im direkten Duell gegen Gernsheim bestimmt werden würde.
Der Abend gestaltete sich nach einem kleinen Ausflug in die Bad Hersfelder Innenstadt in der erst vor kurzem renovierten und sehr modern eingerichteten Jugendherberge von Bad Hersfeld gemütlich. Auch die ersten Bundesligaspiele konnten wir zumindest in der Zusammenfassung sehen. Einzig die Niederlage der Eintracht wollte den Tag nicht durchweg positiv abrunden. Wenigstens konnte Peter sich über den Sieg der Offenbacher Kickers freuen.
Der Sonntagmorgen startete mit einem gemütlichen Frühstück zum spätestmöglichen Zeitpunkt – schließlich mussten wir erst gegen 13 Uhr zur Nachmittagsrunde antreten. Genügend Schlaf hatte dieses Mal also jeder bekommen. Und sogar Murat schmeckte das Frühstück! Als wir im Spiellokal, das unweit der Jugendherberge gelegen war, ankamen, sah es fast so aus, als würde Gernsheim gegen Kassel überraschend Federn lassen, letztendlich retteten sie sich aber doch noch in einen glücklichen 3:1 Sieg. Somit mussten wir wie erwartet Gersnheim im direkten Duell schlagen, bei einem 2:2 würde die Berliner Wertung entscheiden, nach der wir bis jetzt auch gleichauf lagen.
Nachdem Gernsheim am Samstag noch ersatzgeschwächt war, hatten sie am Sonntag alle Mann an Bord. Es sollte also in jedem Fall einen verdienten Hessenmeister am Ende des Tages geben. Michael stand bereits nach wenigen Zügen sehr stark und konnte gar einen Springer gegen 2 Bauern gewinnen. Murat stand zunächst etwas passiv und die weitere Entwicklung ließ nicht unbedingt Hoffnung zu großem Optimismus. Peter übersah bereits in der Eröffnung einen sicheren Gewinnzug, woraufhin der Betreuer sich erst einmal von der Spielbeobachtung zurückzog, um seine Nerven zu schonen. Zumal Arsen sich mit einer vorbereiteten Spezialvariante des Gegners auseinanderzusetzen hatte, die ihm alle Konzentration abverlangte und gehörig ins Schwitzen brachte, wie er anschließend zugab.
Zur Mitte der Partien hatte Michael seine Gewinn- leider in eine Verluststellung überführt. Murat stand mittlerweile noch viel passiver, so dass man schon nicht mehr sicher sein konnte, ob er aus dieser Stellung noch würde herauskommen können. Wenigstens spielte Peter eine starke Partie und Arsen konnte das Opfer seines Gegners ebenso widerlegen. Da ein 2:2 mit Niederlagen von Michael und Murat jedoch lediglich den 2. Platz wegen der schlechteren Berliner Wertung für uns bedeutet hätte, lagen nun alle Hoffnungen auf unserem zweiten Brett. Und tatsächlich gelang es Murat wie schon so oft in der Vergangenheit, sich wie eine Maus aus der ihr gestellten Falle zu entwinden und aktives Spiel zu bekommen. Nun spürte man, wie Murat Zentnerlasten von den Schultern fielen. Er spielte bärenstark weiter und ließ seinem Gegner keine weiteren Chancen mehr, in die Partie zurückzufinden.
Das 3:1 für uns bedeutete den Gewinn der Hessenmeisterschaft – und das nach den gezeigten Leistungen durchaus verdient! Erst jetzt erfuhren die Spieler von ihrem Betreuer, dass sie dieses Jahr keine weitere Qualifikation spielen müssen, sondern direkt für die Deutsche Meisterschaft in Naumburg (an der Saale) qualifiziert sind. Die Freude war groß!
Dass die Rückfahrt sich im Weltuntergangs-Wetter (Starkregen, Blitze) etwas zäh gestaltete und teils Tempo 50 auf der Autobahn erforderte, störte nun keinem mehr, die Kinder zeigten stolz jedem an uns vorbeifahrenden Autofahrer ihren Pokal durch die Fenster des Wagens.
Zur Vollständigkeit: Wir spielten in der Aufstellung Michael Medvedovski, Murat Diyap, Peter Keller, Arsen Abrahamyan.

Aktuelles
Hoffen wir für die 2. Runde (am 27. Juni) auf einen Gegner, der spielerisch in Reichweite von uns ist.