Insgesamt fanden sich 13 Schachfreunde an einem erfreulich sonnigen Herbstvormittag zu für so manchen gottloser Zeit in unserem Vereinslokal ein, um den diesjährigen Pokalsieger zu ermitteln. Gespielt werden sollten sieben Runden Schweizer System. Leider war unsere erste Mannschaft nur mit zwei Spielern (Lars und Paul) vertreten, die dann auch als Favoriten ins Rennen gehen sollten. Ich berichte nun vor allem aus eigener Sicht über die Ereignisse an den vorderen Brettern.
Kurz nach zehn waren dann auch alle Teilnehmer eingetroffen, so dass wir die erste Runde auslosen konnten. In dieser Runde gab es keine Überraschungen, alle Favoriten konnten den Punkt einfahren.
In der zweiten Runde folgten die ersten richtungsweisenden Partien, da das erste Viertel geordnet gegen das zweite Viertel der Setzliste spielten. Während sich Paul gegen Hendrik und Peter gegen Elias durchsetzen konnten, lehnte Lars am Brett 1 in schwieriger Stellung ein Remisangebot von mir ab. Es folgten Komplikationen an meinem Königsflügel, aus denen ich mit einem kurzzeitigen Turmopfer entrinnen konnte und meinerseits mit der Dame Jagd auf den im Zentrum von Dame und Läufer lose verteidigten schwarzen König machen konnte. Das Spiel stand auf Messers Schneide, da der dreiste Springer, der den Turm geschlagen hatte, nicht zu nehmen war. Optimistisch vermied Lars das Dauerschach und wurde dafür schlecht belohnt. Mit dem Verlust der Dame durch Läuferfesselung musste er schließlich die Waffen strecken.
In der dritten Runde gab es schließlich die nächsten Aufeinandertreffen im erweiteren Favoritenkreis. Hendrik spielte gegen mich und Peter gegen Paul, während Lars in dieser Runde im Verfolgerfeld spielte, und Elias gegen Alexander Varnev ebenfalls punkten musste, um den Anschluss zu bewahren. Lars und Elias schlossen auch wieder auf, ohne dass ich von ihren Partien etwas mitbekommen hätte. Während Peter und Paul sich remis trennten, konnte ich Hendrik in eine böse Fesselung locken, aus der ich ihn dann in Erwartung der baldigen Aufgabe ungeschickt entkommen ließ. So musste ich mir den vollen Punkt dann in einem zähen D + S + 6 Bauern gegen D + L + 5 Bauern Endspiel langwierig erkämpfen. Es folgte die Mittagspause. Die Entscheidung würde erst am Nachmittag fallen.
Die vierte Runde sollte auch eine kleine Vorentscheidung werden. Während ich gegen Elias mit Weiß spielte, spielte nebenan Paul gegen Lars und auch das Duell der an diesem Tag etwas Glücklosen, Uli gegen Hendrik, stand in dieser Runde an. Während Lars Paul in einem L + S + 4 Bauern gegen L + L + 2 Bauern Endspiel schließlich bezwingen konnte, und Hendrik sich gegen Uli durchsetzte und sich wieder realistische Chancen erarbeitete, gelang mir gegen Peter meine wohl beste Partie des Tages. Peter opferte in der Eröffnung einen Bauern und entwickelte Druck gegen meinen König. Diesen konnte ich jedoch abschütteln und zwischenzeitlich eine Figur erobern, so dass ich eine Figur und zwei Bauern mehr hatte, aber eben eine Figur und zwei Bauern sehr unangenehm hingen. Ich gab das Material in vollem Umfang zurück, um meine Figuren zu aktivieren, so dass ich schließlich mit einem hängenden Mehrbauern den gegnerischen König mit Springer und Läufer unangenehm einengen konnte. Peter fraß in schwieriger Stellung den Bauern und konnte so seine Läufer und seinen Turm aktivieren, jedoch konnte unmittelbar darauf mein Turm mit entscheidender Wirkung auf die siebente Reihe vorrücken. Die Drohungen wurden unparierbar und die Partie ging schnell zu Ende.
Zwischenstand nach Runde 4: 1. Eric 4,0 2.-3. Elias, Lars 3,0 4. -5. Paul ,Peter 2,5.
In der fünften spielte ich gegen Elias unspektakulär Remis, nachdem wir beide früh der dreifachen Stellungswiederholung nicht ausweichen wollten. Lars konnte Peters Aussichten auf den Turniersieg zunichte machen und Paul gewann gegen Phillip. Das Bemerkenswerteste in dieser Runde war sicherlich der Sieg von Max Walk gegen Alexander Varnev. In einem Turmendspiel mit fünf gegen vier Bauern und knapper Bedenkzeit zeigte Max eine erstaunliche Nervenstärke und konnte unseren doch deutlich älteren Schachfreund unter den wachsamen Augen aller anderen souverän niederringen. Eine großartige Leistung.
Zwischenstand nach Runde 5: 1. Eric 4,5 2. Lars 4,0 3.-4. Elias, Paul 3,5 5.-6. Hendrik, Uli 3,0.
In Runde 6 ging es dann wieder an den vorderen Brettern etwas gedrängter zu. Ich musste gegen Paul spielen und wie der Zufall es wollte, hatte ich wieder die weißen Steine. Die Auslosung war gut zu mir, hatte ich doch gegen Lars, Peter und Paul jeweils Weiß zugelost bekommen. Lars spielte gegen Elias und Peter durfte mit Max die Klingen kreuzen. Während Lars seine Verfolgeraufgabe bewältigte und auch Peter wieder in Richtung Preise zog, begann für mich die Partie gegen Paul schon schwierig, da die Sonne mir sehr beharrlich ins Gesicht schien, bis mein Gegner fairerweise darauf hinwies, dass man auch die Rollos runterlassen könnte. Nun mit dem gesamten Brett sichtbar hatte ich zwar keine glänzende Eröffnung gespielt, aber die Partie war auch nicht verloren. Mein König stand mal wieder etwas schlecht, aber ich konnte den Damenabtausch forcieren, so dass wir in ein kompliziertes Mittelspiel mit sich behakenden Bauern auf der c- und d- Linie überleiten konnten. In diesem konnte ich einen Bauern gewinnen und das Endspiel wäre wohl relativ einfach gewonnen gewesen, wenn Paul nicht meinen Springer stehengelassen hätte und auf Bauernfang gegangen wäre. Wir erreichten schließlich ein T+ S + 2 Bauern gegen T + 3 Bauern Endspiel, das ich dann doch nach einigen schwierigen Situationen souverän gewinnen konnte.
Zwischenstand nach Runde 6: 1. Eric 5,5 2. Lars 5,0 3. Hendrik Uli 4,0 4.-5. Paul, Peter 3,5.
In der letzten Runde musste ich also ausgerechnet mit Uli gegen einen der gefährlichsten Gegner im ganzen Feld spielen. Es würde sicherlich kein einfaches Spiel werden. Lars spielte währenddessen gegen seine selbsterkorene Nemesis, Hendrik, aber mit dem Rückenwind des Verfolgers. In einem Königsinder gewann ich gegen Uli erst einen Bauern und noch einen zweiten, suchte dabei, jegliche Komplikationen zu vermeiden. Ein schwerer Schnitzer, da ich Uli dadurch das Läuferpaar überlassen hatte, was dieser auch brutalst möglich ausnutzte und mich nach dem doppelten Turmtausch sogar noch fast im S + 4 Bauern gegen L + 3 Bauern Endspiel hinrichtete. Ich hatte zu fahrlässig gespielt und mich darauf verlassen, das Endspiel wäre "schon irgendwie gewonnen" und darüber noch fast die Partie eingestellt. Lars konnte schließlich gegen Hendrik gewinnen und so zu mir aufschließen.
Endstand: 1. Eric 6,0 2. Lars 6,0 3. Paul 4,5 4. Peter 4,5 5. Elias 4,5 6. Uli 4,5 7. Hendrik 4,0 8. Max 3,0 9. Alexander 3,0 10. Phillip 3,0 11.Frank 1,0 (12. Jens 1,0 13. Klaus 0,0). (genaues Ergebnis siehe unten).
Nach SoBerg hatte ich das Turnier gewonnen, nach Buchholz wäre jedoch Lars der Sieger gewesen, was aber im Wesentlich daran lag, dass er gegen Frank Shkolnikov gespielt hatte, und ich gegen Klaus Albrecht, welcher genau vor der Runde, in welcher er spielfrei gehabt hätte, mit seinem Sohn aus dem Turnier ausschied. Hier zeigen sich ganz klar die Vorzüge der SoBerg gegenüber dem Buchholzsystem, da die an den vorderen Brettern erspielten Punkte maßgeblicher sind als Punkte an den hinteren Brettern.
Dann passierte etwas Seltsames. Ich war noch ganz entsetzt vom Partieverlauf gegen Uli, da kam Lars auf mich zu und schlug vor, Entscheidungspartien blitzen. Noch ganz paralysiert und nervlich angegriffen von der Partie gegen Uli nahm ich meine Turnierleiteraufgaben gar nicht mehr wahr und setzte mich ans Brett, um gegen Lars zu blitzen! Das Blitzen ging dann 0,5 - 1,5 aus, aber das Ergebnis wurde zu meinem Glück vom Turnierschiedsgericht (ohne mich) nicht als Entscheidungsblitzen anerkannt, da ich ja nach Wertung das Turnier eigentlich bereits gewonnen hatte.
Nächstes Mal sollte ich wohl erstmal wieder einen klaren Kopf gewinnen!
Die weiteren Preise gingen an:
| 2. Platz | Jugendpreis | Rating < 1800 | Rating < 1600 |
| Lars Meier | Peter Keller | Elias Polak | Max Walk |
Herzlichen Glückwunsch.
